Fallstudie
Al-Fanar: Wenn VDC dem Feld den Rücken stärkt
Unternehmenstyp
Branche
Projekttyp
Bau eines Unterhaltungskomplexes
Zusammenfassung
Alfanar Projects ist ein global tätiger Ingenieur- und Baukonzern mit Wurzeln in Saudi-Arabien, gegründet 1976, der mit weltweit über 28.000 Mitarbeitenden Großprojekte in den Bereichen Energie, Wasser und Infrastruktur realisiert. Im Auftrag von Saudi Entertainment Ventures (Seven) errichtet Alfanar den Jazan Entertainment Complex. Al-Fanar wurde mit dem gesamten Leistungsumfang aus Engineering, Beschaffung und Bau (EPC) für das Entertainment-Ziel an der North Corniche von Jazan betraut, wobei Saudi Entertainment Ventures (SEVEN) 1,3 Milliarden Riyal investiert. Der Komplex umfasst 73.000 m² bebaute Fläche in elf Gebäuden an der Uferpromenade von Jazan. Das Projekt stellt zudem hohe Anforderungen an die ESG-Ziele, mit aktiven Maßnahmen in den Bereichen CO2-Bilanzierung, Ressourceneffizienz, Wohlergehen der Beschäftigten und zertifizierte Systeme. Zusätzlich zu den ohnehin hohen Zielen erforderten der Umfang und das hohe Tempo des Projekts den Einsatz von auf Augmented Reality basierenden Technologien für die Bauausführung, um sicherzustellen, dass Budgets und Terminpläne innerhalb des vertraglichen Rahmens blieben.
Herausforderungen
Die Besonderheiten dieses Projekts brachten für die Projektteams zahlreiche knifflige Herausforderungen mit sich: Da Planung und Bau parallel liefen, führten die zweiwöchentlichen Aktualisierungen der 210 Modelle im Projekt zu ständigen Änderungen an den Werkstattzeichnungen, die häufige Konstruierbarkeitsprüfungen vor Ort und eine permanente Koordination auf der Baustelle erforderten, um Schäden und Nacharbeiten zu vermeiden. Konflikte mussten so früh wie möglich ausgeschlossen und bearbeitet werden, was einen Mechanismus zur Erkennung vor Ort erforderte. Erhebliche Probleme in der Ausführungsreihenfolge zwischen den MEP-Gewerken bedeuteten, dass bereits fertiggestellte Arbeiten wieder herausgerissen und neu ausgeführt werden mussten. Nicht freigegebene Planungen wurden ausgeführt, was zu zusätzlichen Kosten und Verzögerungen führte.
Die Lösung & Umsetzung
Für viele dieser Herausforderungen liegt die einzig mögliche Lösung im Einsatz von Augmented Reality direkt auf der Baustelle. Mit GAMMA AR konnte das Team seine Anforderungen im Detail erfüllen: Die sehr häufigen Modellaktualisierungen wurden bewältigt, indem die vom Engineering-Team des Advanced Consultancy Center (ACC) entwickelten Werkstattzeichnungsmodelle zwischen Autodesk Forma (Autodesk Construction Cloud) und GAMMA AR verknüpft wurden, sodass unbekannte Änderungen in den aktuellsten Baumodellen für die Baumannschaften sichtbar gemacht und mit dem bereits gebauten Zustand vor Ort abgeglichen werden konnten.
Mögliche Kollisionen im laufenden Bau konnten über den AR-Abgleich vor Ort erkannt und der Projektleitung sowie den Bauleitern zur vorrangigen Bearbeitung gemeldet werden.
Bauleiter und Poliere konnten die zusammengeführten Modelle heranziehen, um die detaillierte Ausführungsreihenfolge der Installationen zu planen. Dazu zählen etwa fehlerhafte Einbaureihenfolgen für Kanäle und Kabeltrassen, die frühzeitig erkannt oder verhindert wurden. Darüber hinaus profitierte auch die exakte Ausführung der Planung vor Ort vom Einsatz von GAMMA AR. Mit GAMMA konnten die Teams Abweichungen von der Planungsabsicht erkennen, etwa bei der genauen Ausbildung von Brüstungen.
Warum Umsetzung entscheidend ist und VDC-Teams dem Feld den Rücken stärken
Ein entscheidender Faktor, bei dem Walid Elsibai und sein Team eine herausragende Leistung zeigten, war die strategische und sorgfältige Einführung von GAMMA AR auf der Baustelle. Das Team integrierte GAMMA AR in seine täglichen Arbeitsabläufe und behielt dabei alle typischen Reibungspunkte fest im Griff. Um die Hürden bei der Positionierung zu senken, wies Walid die Vermesser an, QR-Codes an den Stützen anzubringen. Damit stand eine Grundlage aus sorgfältig gepflegten Positionierungs-Checkpoints bereit, auf die sich die Mannschaften verlassen konnten, falls die Teams vor Ort einmal Schwierigkeiten hatten. Um eine konsistente Nutzung sicherzustellen, erstellte Walid umfangreiche Anleitungen für alle Anwender vor Ort und führte monatliche Schulungen ein, um neue Nutzer beim Einstieg zu unterstützen und bestehenden Nutzern eine Auffrischung ihres Wissens zu ermöglichen. Dieser Einsatz zahlte sich aus und sorgte für eine starke Leistung der Feldteams, was zu einer Reduzierung von Kosten und Verzögerungen führte.
Wo Planung und Bau zusammenkommen
Da Planung und Bau parallel verliefen, mussten die Modelle eng in die tägliche Arbeit des Generalunternehmers und der Nachunternehmer eingebunden werden. GAMMA AR half hier, die Arbeiten vor Ort vorab zu betrachten und Konflikte sowie unvollständige Ausführungen frühzeitig anzugehen, etwa fehlende oder falsch platzierte Hülsen im Beton. Zusätzlich trug der integrierte Workflow mit Autodesk Forma dazu bei, Korrekturmaßnahmen zu straffen und eine schnelle Abstimmung mit den Planern im Projekt sicherzustellen. Probleme vor Ort, etwa Kollisionen, wurden erkannt, mit Bauteilgenauigkeit markiert und den Planern zugewiesen, die ihre Modelle daraufhin zeitnah an die vor Ort gelöste Situation anpassten. Walid schätzt die Reduzierung der Probleme auf 20 %, was Kosten spart und vermeidbare Arbeitsstunden verringert.
Fazit
Die Arbeit von Al-Fanar am Jazan Entertainment Complex zeigt, was passiert, wenn VDC-Teams die Verantwortung für die Befähigung des Feldes übernehmen. Ein Projekt dieser Größenordnung und dieses Tempos – 73.000 m², elf Gebäude, 210 Modelle, die bei parallel laufender Planung und Bauausführung alle zwei Wochen aktualisiert wurden – ließ keinen Raum für Koordinationslücken zwischen Modell und Baustelle. GAMMA AR schloss diese Lücke, indem es das stets aktuelle zusammengeführte Modell in die Hände der Poliere und Mannschaften legte und Kollisionen, Fehler in der Ausführungsreihenfolge sowie Planungsabweichungen erkannte, bevor daraus Nacharbeiten wurden. Walids disziplinierte Einführung – QR-Checkpoints, schriftliche Anleitungen, monatliche Schulungen – machte die Technologie zu einem täglichen Arbeitsablauf und führte zu einer geschätzten Reduzierung der Baustellenprobleme um 20 %. Wenn VDC dem Feld den Rücken stärkt, konkurrieren Planung und Bau nicht länger, sondern kommen zusammen.
Über Walid Elsibai
Walid Elsibai ist BIM & Digital Delivery Manager und bekannt dafür, die BIM-Einführung bei wegweisenden Infrastruktur-, Wohnungsbau- und Mega-Entertainment-Projekten im Wert von über 45 Milliarden SAR zu leiten. Von BSI nach ISO 19650 zertifiziert und mit einer PMP-Zertifizierung ausgestattet, ist er Experte für die Umsetzung von BIM-Methoden und -Strategien über alle Projektphasen hinweg – von Planung und Bau bis hin zu Management und Betrieb. Er verfügt über ausgeprägte Fähigkeiten in der Planung und Steuerung von Feldteams, um mithilfe von Laserscanning-Workflows (Scan-to-BIM) präzise As-Built-Modelle zu liefern. Er ist darauf spezialisiert, den gesamten BIM-Lebenszyklus zu orchestrieren und die Planungsingenieurleistung mit fortschrittlichen Baustellentechnologien zu verbinden. Er ist Autodesk Certified Instructor und der erste zertifizierte Instructor von GAMMA AR und leistet Pionierarbeit beim Einsatz von Augmented Reality für QA/QC und die Validierung vor Ort.
Zu seinen herausragenden Beiträgen im Bereich BIM-Asset-Tracking und Facility Management (FM) zählt die Entwicklung von "BIM PAT Gen". Es gilt als das weltweit erste kostenlose Spezialwerkzeug, das die entscheidende Phase der Projektübergabe optimiert. Indem es Asset-Register in automatisierte QR-Codes und Barcodes umwandelt, schließt das Tool die Lücke zwischen digitalen Modellen und physischen Assets auf der Baustelle. Er ist zudem Autor von "Fundamentals of BIM & GIS."